Elbe-Radweg Tag 10 Riesa – Dresden

Etappe #10 von Riesa nach Dresden
Montag, 6. Juli 2020

Nach einem minimalistischen Frühstück will ich mich vom Hof schleichen. Meine Gastgeber geben mir noch eine Lektion in sächsischer Geographie und Heimatkunde, welche ich mir brav anhöre. Natürlich unterstreichen Sie nochmals, dass die Strecke hier an der Elbe bis nach Meissen die schönste sei. Das habe ich bis jetzt auf jedem Abschnitt – oder so ähnlich – gesagt bekommen. Und die Raddampfer in Coswig solle ich mir auf alle Fälle ansehen. Schnell mache ich mich vom Acker und radle in den noch frühen Morgen.

Die Flusskilometer werden immer weniger – so bin ich fast im zweistelligen Bereich angekommen. Vorbei geht es an dem Seußlizer Schloss, einem Barockbau mit begehbarem Schlossgarten. Es soll in kürze wieder als Spekulationsobjekt auf den Markt kommen.

Der große Stein bestätigt die erste Erwähnung von Diesbar-Seußlitz. 1205. Hier mache ich kurze Rast und stelle fest: Die Elbe ist schmäler geworden, die Weinberge werden immer steiler und die ersten Sandsteinfelsen kommen zum Vorschein. Ich bin am Oberlauf der Elbe angekommen.

Die Besiedlung nimmt langsam wieder zu und es wechselt von landschaftlicher zu kultureller Reizüberflutung: Am Ortseingang begrüsst mich majestätisch bei kaiserlichem Wetter die Albrechtsburg, dem erstes Schloss Deutschlands.

Bevor ich die Stadt der blauen Schwerter weiter erkunde muss erstmal etwas essbares her. Ich entscheide mich für ein Gericht unterhalb der Wasserkante. Der Teller war nicht aus dem Werk vor Ort, genauso wenig wie der Fisch.

Gestärkt erkundige ich die zauberhafte Altstadt, die auf kleinstem Raum jede Menge zu entdecken hergibt. Ob Dom, Nikolaikirche oder einfach nur enge Gassen – alles passt zusammen.

Den sicher grössten Bekanntheitsgrad erlangte die Stadt durch das weisse Gold. Die Geschichte und schrittweise Handarbeit sehe ich mir in der Manufaktur an. Grund warum Meissen gewählt wurde, war die isolierte Lage, welche schon damals vor Werksspionage schützen sollte.

Beim verlassen der Residenz-Stadt und finde noch auf der anderen Uferseite einige Objekte, welche mich zum schmunzeln anregen: Der VEB Lebensmittel-Laden, die Schänke, die im Reiseführer hochgelobte Sächsische Postmeilensäule. Nur noch mal ein letzter Blick auf Stadt August des Starken und ich sitze bereits wieder im Sattel.

Die Tour geht weiter und in Gedanken versunken radele ich der Elbe entlang. Die ersten Wegweisen zeigen schon Dresden an. Der Zufall lässt mich auf einen Einheimischen treffen, der mich beobachtet wie ich versuche das untere Schild zu lesen. Er sagt zu mir: Geheimtipp – umbedingt durchfahren.

Der Tipp war ein Treffer ins Schwarze. Ein wirklich schön erhaltenes Dörfchen abseits vom Touristenstrom der Radlergesellen. Kleine Lädchen und Gaststättchen wie auf einer Perlenkette aufgereiht. Hier gefällt es mir so gut, dass ich mich auf ein Kaffee/Kuchen-Gedeck niederlasse. Jetzt weiß ich auch warum es Schoko Hörnchen heißt.

In der Kirche von Altkötzschenbroda gibt es im hinteren Teil eine Urkunde und einen Tisch auf dem der Waffenstillstand zwischen Sachen und Schweden unterzeichnet wurde. Das war im Jahr 1645. Der Organist übt seine Triolen und ich fahre weiter.

Die Karl-May-Stadt Radebeul durchquere ich ohne Halt und erreiche Dresden. Ich orientiere mich kurz und steuere zuerst meine Wohnung, den Roten Salon an. Eine top modern eingerichtete Wohnung relativ zentral soll meine Unterkunft für die nächsten zwei Tage sein.

Obwohl sich meine Kräfte langsam zur Neige gehen raffe ich mich auf und fahre noch einmal die vier Kilometer in die Stadt um noch einmal Preußens Gloria in der blauen Stunde anzusehen. Vieles kennt man von Bildern aber die Proportionen und Abstände werden so erstmals richtig vor Ort verständlich.

Die Brühlsche Terrassen, der Zwinger, und mein heimliches Ziel der Reise, die Semperoper. Hier will ich jetzt nochmal die brennende Frage beantworten: Wie kommt man von der Elbphilharmonie zur Semperoper? Antwort: Strampeln, strampeln, strampeln!

Ein paar Strassen weiter erscheint, ja erstrahlt vor mir die wiederaufgebaute Frauenkirche. Ich gehe mindestens dreimal um das aus Standstein erbaute Gotteshaus. Dann setze ich mich auf eine Bank und lasse diesen Monumentalbau und dessen Geschichte auf mich wirken.

Zurück im Roten Salon treffe ich mich kurz mit Jürgen, dem Vermieter. Er gibt mir noch Tipps, die für einen einwöchigen Aufenthalt reichen würden – ich verspreche mir die Highlights aus der Quelle auszuwählen.

Hundert Kilometer und soviel Input lassen mir fix einschlafen. Hier noch einmal der oft gemalte, sogenannte Canaletto-Blick, vom rechten Elbufer:

Veröffentlicht von Nils Bike

Nils Bike and Co.

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